Über 50 Leute bei Vortrag von Jan Nowak über „Die neonazistische Rechte in Niederbayern“ – Nazis blamieren sich mit „Mahnwache“

Vortrag „Die Neonazistische Rechte in Niederbayern“

Zusammen mit den Jusos luden wir am Abend des 4. März zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung im Hotel Gäubodenhof in Straubing über Neonazismus in Niederbayern ein. Der freie Journalist Jan Nowak referierte zunächst über die neonazistische Aktivitäten in Niederbayern. Nowak stellte dar, dass der Neonazismus (wieder erstarkender Nazismus nach 1945) für die breite Masse immer nur dann zum aktuellen Thema wird, wenn Aufmärsche oder Veranstaltungen angekündigt oder etwa die Pläne für einen szeneeigenen Pilspub, wie in Geiselhöring, bekannt werden. Von extrem rechten Unterwanderungsversuchen sei oft die Rede, wenn bekennende Neonazis als Fußballtrainer Kinder indoktrinieren, in der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen oder wenn sie ganz bewusst für Elternbeiräte von Schulen oder Kindergärten kandidierten. Auch mit der Gründung eines eigenen Security- Unternehmens machte die Szene in der Region von sich reden: Spezialisiert auf Dorffeste sorgen die Neonazis dort für Ordnung – ein erschreckendes Szenario! Immer wieder schrecken solche Nachrichten die Öffentlichkeit in der Region auf. Genau so schnell gerät das Thema aber auch wieder in Vergessenheit.

Anschließend ging der Referent Jan Nowak in seinem Vortrag auf die verschiedenen neonazistischen Gruppen in unserer Region ein und stellte diese – mit den entsprechenden aktiven Personen verbunden – den Zuhörern vor. Unter die Lupe genommen wurden auch die Ideologien der extrem Rechten, wie z.B. der Rassismus oder die Leugnung des Holocaust. Ebenso wurden die Symbolik bzw. Chiffren, mit denen sich Rechtsextreme zu erkennen geben, angesprochen. „In Niederbayern versammeln sich die braunen Kamerad_innen in Vereinsheimen und Gaststätten. Nein, nicht etwa unter falscher Flagge und klammheimlich. Sondern ganz offen und mit dem Wohlwollen der Gastgeber. Die freilich reden sich hinterher gerne damit heraus, nicht gewusst zu haben, wem sie da Tür und Tor geöffnet haben“, so der Referent.

Auch wenn es oft dynamische Umwälzungen in der Szene gäbe, weil etwa die Protagonisten für ein paar Jahre hinter Gittern verschwinden, finde sie doch immer wieder zusammen, so Nowak weiter. Ein Grund dafür sei eine gute Vernetzung zwischen den Mitgliedern und den einzelnen Gruppen bis hinein ins benachbarte Ausland. Doch auch die latente Präsenz des extrem rechten Gedankenguts in der Mitte der Gesellschaft wurde thematisiert. „Beim „Runden Tisch Niederbayern“ etwa gehören nicht nur braune Kameraden zur Stammbesetzung, sondern auch katholische Pfarrer, CSU- Funktionäre und FDP- Politiker“, so Nowak.

Den Zuhörer_innen wurde deutlich gemacht, dass jeder weiterhin Augen und Ohren offen halten sollte, um gegen dieses rechte Gedankengut vorgehen zu können. Nowak: „ Jeder kann die Aktionen von Bündnissen gegen RECHTS unterstützen und damit nein zu Nazis sagen“.

Die Nazis

Wie bereits im Vorfeld der Veranstaltung bekannt wurde, hielt das „Nationale Bündnis Niederbayern“ in Straubing eine Mahnwache, direkt vor dem Lokal ab. Mehr als eine Handvoll Rechter kam hierbei nicht zusammen, sie verteilten Flyer und positionierten sich mit einem Transparent. Nach einiger Zeit gesellte sich auch Alfred Steinleitner, der Kreisvorsitzende der NPD in Deggendorf, zu den anwesenden Nazis. Dies belegt einmal mehr die enge Zusammenarbeit der sog. „Freien Kräfte“ mit der NPD in der Region.

Trotz deren Blamage sollte das Auftreten des NBN an diesem Abend Grund zur Besorgnis sein, scheinbar nehmen die Nazis Straubing nach wie vor als „ihre Stadt“ wahr, in der solche antifaschistischen Veranstaltungen schon Anlass genug sind um in einer solchen Form zu reagieren. Das Anmelden einer Mahnwache stellt dabei eine neue Qualität neonazistischer Störversuche derartiger Vorträge, Veranstaltungen etc. dar.

Zahlreiche Bürger_innen der Stadt Straubing konnten, aufgrund der übermäßig starken Polizeipräsenz einmal mehr feststellen, welche Gefahr von den Nazis des NBN ausgeht, denn nur so lässt sich ein solches Polizeiaufgebot erklären. Es liegt nahe, dass das Ziel der neonazistischen Mahnwache nicht nur „Meinungsäußerung“, sondern primär das Abschrecken und bedrohen potentieller Antifaschist_innen und Besucher_innen der Vortragsveranstaltung war.

Solange die Nazis des NBN und der NPD ungestört agieren und ihre menschenverachtende Ideologie auf die Straße tragen können sind Migrant_innen, Antifaschist_innen und Andersdenkende einem hohen Risiko ausgesetzt. Deshalb sind wir auch weiterhin gefordert über die Umtriebe der neonazistischen Rechten in der Region aufzuklären und wirksam gegen diese zu intervenieren.

Wir bedanken uns bei Jan Nowak für einen äußerst interessanten Vortrag, bei den Jusos für die gute Zusammenarbeit und bei den zahlreichen Besucher_innen des Vortrags, welche den anwesenden Nazis eine deutliche Absage erteilt haben.

aak_sr


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